| 00.00 Uhr

Regionale Obssorten im Rheinland

Regionale Obssorten im Rheinland
Lecker und heimisch: Die Puspas-Birne. FOTO: T. Braun
Rhein-Kreis Neuss. Jüngst wurde das neue Handbuch „Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland – neu entdeckt!“ gedruckt. Von Kellys Grammatikou

In diesem Handbuch werden 100 lokale oder regionale rheinische Sorten ausführlich beschrieben und abgebildet. Es werden vor allem Äpfel und Birnen, aber auch Kirschen, Pflaumen und Pfirsiche beschrieben. Viele der Sorten stehen schon jetzt im von der Biologischen Station im Rhein-Kreis Neuss betreuten Obstsortengarten Kloster Knechtsteden. Weitere Rheinische Sorten sollen in den nächsten Jahren dazu kommen. So wird der Sortengarten Knechtsteden mehr und mehr zu einem wichtigen Standort im „Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt“ des Pomologen-Vereins. Wussten Sie, dass im heutigen Rhein-Kreis Neuss einst ein Zentrum der Obstsortenzucht lag? In seinem Aufsatz „Von Fürsten, Pfarrern und Fabrikanten“ gibt Thomas Braun einen Überblick über der Obstbau und Obstzüchtung im heutigen Rhein-Kreis Neuss. Viele der über dreißig damals entstandenen Sorten waren verschollen. Dass diese Zahl nicht mehr so groß ist, ist dem vom Landschaftsverband Rheinland geförderten Projekt zu verdanken.

Die Wenigsten werden wissen, dass sich hinter klangvollen Namen wie „Nimmermür“, „Degeers Renette“, „Henzens Parmäne“ oder „Lotemer Suure“ wohlschmeckende Obstsorten verbergen. Wo es früher für jede Region, jeden Standort und die Vielfalt der Verwertungsmöglichkeiten charakteristische Sorten gab, werden heute Standardsorten aus einem sehr begrenzten Baumschulsortiment gepflanzt.

Die Puspasbirne konnte im Rahmen dieses Projektes wiedergefunden werden, die einst im Raum Mönchengladbach, Korschenbroich, Grevenbroich, Neuss weit verbreitet war. Es handelt sich um eine Kochbirne, die vor der Einfuhr der Kartoffel eine große Bedeutung als Grundnahrungsmittel hatte. Ein gängiges Rezept war das sogenannte „Mure-Puspas“ ein Möhrengemüse oder die Verwendung als Kompott. Die Sorte ist eng mit dem regionalen Brauchtum verknüpft, denn in manchen Ortschaften (z.B. Mönchengladbach-Neuwerk) wird die Herbst-Kirmes auch heute noch „Puspas-Kirmes“ genannt.

Eine erst 2016 wiederentdeckte Apfel-Sorte ist „Henzens Parmäne“. Die Sorte wurde nach dem Elsener Oberpfarrer Conrad Henzen (1801–1888) benannt, der ein anerkannter Sortenzüchter und Pomologe seiner Zeit war. Aus der Region war die Sorte verschwunden. Im Rahmen einer Obstsortenkartierung im Raum Ulm konnte die Sorte wiedergefunden werden. In der Zwischenzeit wurde die Sorte vermehrt, so dass sie zukünftig wieder im Rhein-Kreis Neuss gepflanzt werden kann.

Bereits 2010 wurde ein erstes Obstsortenhandbuch mit 49 Sorten publiziert, jetzt kann ein erheblich umfangreicheres Werk der Öffentlichkeit präsentiert werden. Es enthält umfangreiche Beschreibungen von 100 lokalen und regionalen Sorten des Rheinlandes mit Angaben zu Standorteigenschaften und Verwertungsmöglichkeiten. Im Gegensatz zu den meisten moderne Sorten, welche in der Regel krankheitsanfällig sind, erweisen sich die alten lokalen Sorten als gesund und widerstandsfähig. Oft ist auch ihr Obst ohne Einsatz von Spritzmitteln schorffrei, gesund und lecker!

Das LVR-Netzwerk hat mit diesem Projekt einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Obstwiesen und ihrer Sortenvielfalt als kulturelles Erbe geleistet. Im Obstsortengarten Kloster Knechtsteden befinden sich aktuell über 140 Obstsorten, darunter viele lokal bedeutsame und altbewährte Obstsorten. Das Obst der über 300 Bäume wird als Tafelobst zum Kauf angeboten und von den Bäumen der vorhandenen Sorten können Edelreiser zur Anzucht von Jungbäumen abgegeben werden. Die Obstwiesen sind durch Obstwanderwege erschlossen und erlebbar, auf Wunsch werden nach Anmeldung Führungen durch die Sorten-Sammlung angeboten.

Das Sortenbuch kann bei der Biologischen Station bestellt werden.

(Report Anzeigenblatt)