Ausgezeichnete Debattierer: Die Schüler von Carsten Hüttermann (oben, 2. v. r.) bewährten sich in der Parlaments-Simulation. Foto: Zeller
Neun Gymnasiasten schlüpften in die Rollen englischer Abgeordneter. Dabei meisterten sie die Schwierigkeiten der politischen Diskussion – und lernten „fürs Leben“.
Meerbusch (mz). Öde, langatmig, abgehoben – negative Vorurteile gegenüber Politik sind unter Jugendlichen weit verbreitet. Neun Oberstufenschüler des Mataré-Gymnasiums ließen sich eines besseren belehren. Sie nahmen am „Model Houses of Parliament“ teil, einer Simulation des englischen Unterhauses an der Windsor School in Mönchen gladbach. Als Delegierte eines englischen Wahlkreises entwickelten, berieten und verabschiedeten die Schüler in verschiedenen Ausschüssen Gesetzesentwürfe – und machten dabei spannende Erfahrungen: „Es ist schon eine enorme Leistung, ein Gesetz zu verabschieden“, stellte die 18-Jährige Maike Speck fest und entwickelte „mehr Verständnis für Politiker und die Länge ihrer Entscheidungsprozesse“. Dass es die Mächtigen nicht einfach haben, merkten die Schüler beispielsweise, wenn sie vor dem Plenum Reden hielten und debattierten. „Das kostet erst’mal Überwindung, vor 100 Leuten zu sprechen“, so Lea Rütten, „aber dann hat es auch Spaß gemacht“. Marius Geiker bekennt sogar: „Die Debattenform hat mich mitgerissen“. Der „Labour“-Vertreter könne sich vorstellen, irgendwann einmal ins auswärtige Amt zu gehen.
Aber auch fernab der politischen Bühne präsentierte sich die Art und Weise der Diskussionsform für die Schüler als brauchbar. „Wir haben gelernt, eine Meinung durchzubringen, und zwar auf respektvolle und diplomatische Weise“, betont Maike Speck. „Das kann einen in allen Lebenslagen weiterbringen.“ Ähnlich sieht das auch Lehrer Carsten Hüttermann, der am Mataré die AG Debating / Model United betreut: „Die Unterhaus-Simulation ist eine super Erfahrung fürs Leben. Hier lernen die Schüler, eigene Interessen zu vertreten und dabei Kompromisse zu machen. Solche Erkenntnisse können sie später auch im Beruf gebrauchen.“ Wie gut seine Schützlinge den politischen Wettstreit bereits beherrschen, bewiesen sie in Mönchengladbach. Yannik Kalbas (Labour), Jenny Lehnen (Liberal Democrats), Alexandra von Hagen und Stefan Weitz (Green Party) wurden als beste Abgeordnete ihrer Parteien ausgezeichnet. Damit stellte das Mataré-Gymnasium in drei von vier Parteien die besten Delegierten und wurde die erfolgreichste Schule.
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