| 14.32 Uhr

„Luftbelastung so weit als möglich herabsetzen“

(red). Jetzt schaltet sich der Verband aller Lungenfachärzte ein: „Für uns Pneumologen, die wir täglich Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen, Bronchitis und Lungenkrebs behandeln, ist es selbstverständlich, dass die Luftbelastung so weit als möglich herabgesetzt wird.“ Von Alexander Ruth

In den letzten Monaten hat die Diskussion um Luftschadstoffe durch die gerichtlich verfügten Fahrverbote in Innenstädten Auftrieb bekommen. Die Verengung der Debatte auf Stickoxide und Dieselfahrzeuge, die hilflosen administrativen Eingriffe und wissenschaftstheoretisch fokussierte Beiträge einzelner Ärzte hätten zu einer Verunsicherung in der Bevölkerung und zur Relativierung der Luftschadstoffbelastung geführt, meldet sich jetzt der Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner zu Wort. Und weiter: Stickoxide sind Marker für schlechte Luft. Sie sind Indikatoren für Belastungen der Atemluft durch den motorisierten Individualverkehr, sie stehen stellvertretend auch für die übrigen, oft wesentlich gefährlicheren Schadstoffe, wie z.B. den Feinstaub, aber auch für Belastungen durch Lärm und auch als Vorläufersub-stanz für Ozon. Ganz zu schweigen von den Auswirkungen des Verkehrs auf Flächenverbrauch, Bewegungsarmut und CO2-Ausstoß. Die Kritik an einem einzelnen Grenzwert verfehle das Thema, insbesondere der Vergleich mit Alltagsbelastungen wie Adventskerzen mache eine ernsthafte Diskussion über gesundheitliche Auswirkungen von Luftverschmutzung schwierig.

Grenzwerte seien politische Kompromisse, sie sollen Risikogruppen, wie Kranke, Kinder und Schwangere schützen, sie müssten einen ausreichenden Abstand zu den Wirkschwellen haben und sollen gesundheitliche Gefahren auch bei lebenslanger Belastung vermeiden. Damit würden Grenzwerte weit über die die banale Betrachtung von Dosis-Wirkungsbeziehung hinausgehen.

„Eine Bagatellisierung der Auswirkungen von Luftschadstoffen gefährdet die Bemühungen, Risiken und Gefahren von Luftverschmutzung zu minimieren“, so Dr. Frank Heimann, der Vorsitzende des Bundesverbandes der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner (BdP). „In Deutschland liegt die Krankheitslast durch Luftverschmutzung an zehnter Stelle der Risikofaktoren und ist damit auch hierzulande der wichtigste umweltbezogene Risikofaktor“, so die deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin in der kürzlich erschienenen Monographie „Atmen: Luftschadstoffe und Gesundheit“.

„Für uns Pneumologen, die wir täglich Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen, Bronchitis und Lungenkrebs behandeln, ist es selbstverständlich, dass die Luftbelastung so weit als möglich herabgesetzt wird“, stellt Dr. Frank Powitz, Vorstandsmitglied im BDP fest. „Die Frage inwieweit eine Reduktion technisch möglich, sinnvoll oder machbar ist, ist keine Frage der medizinischen Wissenschaft, sondern der Politik, die verschiedene Interessen gegeneinander abwägen muss“, so Powitz.

(Report Anzeigenblatt)