| 10.43 Uhr

Locker machen inklusive

Locker machen inklusive
Essen, Trinken, Pool, Animación und Meer – alles drin. Liege mit einem Handtuch markieren muss man aber immer noch selber. FOTO: Petra Käding
Mönchengladbach. Man muss es nicht mögen. Ein All-Inclusive-Urlaub ist schon, sagen wir, speziell. Und auch eine Herausforderung, insbesondere, wenn man zwar den „Ohne-Bargeld-bequem-und-satt-durch-den-Tag-Luxus“ mag, jene Miturlauber, die diesen Luxus maximal ausschöpfen, aber weniger... Von Petra Käding

Nur noch ein paar Resturlaubstage übrig, aber Erholung muss her – und zwar möglichst im Konzentrat. Fünf Tage All Inclusive im Angebot? Okay, wird schon auszuhalten sein. Es geht ins Oliva Beach nahe Corralejo im Norden Fuerteventuras. Das Hotel ist traumhaft gelegen, direkt am Naturschutzgebiet, der einmalig schönen Dünenlandschaft. Besser geworden ist das Hotel in den letzten Jahren nicht, deshalb hat es wohl im letzten Jahr auch einen Stern abgeben müssen. Der Fitnessraum ist abgerockt und ein Fahrstuhl ausgefallen – Zufall oder geradezu sinnstiftende Koinzidenz nach dem Motto „Lauf halt Treppen, wenn du was für deine Fitness tun willst!“ Möglichkeiten, seinen Hintern vom Liegestuhl hochzukriegen, gibt es jedenfalls genug: Strandwandern macht stramme Waden, und wenn man zu Fuß bis zum Hafen in Corralejo geht statt Bus zu fahren, macht das rund fünf Kilometer (eine Strecke), also eine knappe Stunde, rund 300 Kalorien oder etwa zwei Gläser Cervesa, die man dort mit einem herrlichen Blick bis rüber nach Lanzarote genießen kann. Mit dem Schiff rüberfahren, um sich Fuerte von der anderen Seite anzuschauen, die zweitgrößte der Kanaren kennenzulernen oder einfach nur, um nachher „Ich war auch schon auf Lanzarote“ sagen zu können, geht auch.

Bewegung verschaffen sich die meisten, nennen wir sie Hotelinsassen, allerdings eher auf kurzer Distanz. Der tägliche Radius erschöpft sich zwischen Bett und Liegestuhl, Snackbar und Buffet. Die passende Motto-Strandtasche dazu gibt’s auch: EAT – BEACH – SLEEP – REPEAT steht darauf. Ein Must-have für den All-Inclusive-Urlauber!

Aber warum nicht? Jedem seine Erholung. Und wem das mit den beiden Hauptbeschäftigungen Essen und Liegen gelingt, dem sei es auch gegönnt. Hat man sich schließlich erarbeitet – allein durch frühmorgendliches Reservieren der Liegestühle mit Handtüchern und eigens dafür angeschafften Liegestuhlklammern.

Außerdem gibt’s ja noch Animación – man achte auf die spanische Aussprache, dann klingt’s gleich nochmal so aufregend. Für die, die es nicht kennen: Animación ist, wenn „lustig“ gekleidete Mittzwanziger ohne konkrete Berufsplanung lautstark und mehrsprachig Aufmerksamkeit einfordern – durch so innovative Unterhaltungsprogrammpunkte wie Bingo, Wassergymnastik und den Clubtanz am Pool.

Bemerkenswert ist, dass es immer (!) mindestens einen Urlauber – und es ist immer ein Mann über 50 – gibt, der nicht nur mitmacht beim Ringelpiez, sondern sich zum Entertainer berufen fühlt und gern mal fürs Anfassen sorgt, bevorzugt beim weiblichen Teil der Animación. #metoo ist hier außer Kraft gesetzt – ist doch Urlaub, da kann man sich ja mal „locker machen“.

Locker machen also. Okay, fünf Tage, dann reicht’s aber auch. Heimreise. Landung in Düsseldorf. Und: Applaus, Applaus, Applaus! Alles richtig gemacht, Herr Pilot. Au weia, vermutlich All-Inclusive-Urlauber. Aber - alle echt locker!

(Report Anzeigenblatt)